Geschäftsmodelle des MOOC

Die Grundidee offene Bildungsangebote für alle zu schaffen, klingt prinzipiell grandios – Bildungsbarrieren können dezimiert werden, Bildungskosten werden gesenkt (insbesondere in Ländern mit hohen Studiengebühren), einfacherer Zugang für Personen aus Ländern der Dritten Welt wäre möglich und einiges mehr. Die Bildungswelt steht vor großen Veränderungen.

Aber Moment mal – Wer zahlt das eigentlich alles? Und schon platzt die Blase, spätestens beim Thema Geschäftsmodell und Finanzierung sind viele wieder auf dem Boden der Realität angekommen. Bildung kann nicht dauerhaft umsonst zu haben sein. Demnach können auch MOOCs nicht dauerhaft offen und frei zugänglich bleiben.
In der vierten Woche wollen wir reflektieren, wie die bisherigen MOOC-Geschäftsmodelle aussehen und sich die MOOC Landschaft verändern wird.

In der letzten Woche haben wir geklärt, dass sowohl die Open Access, als auch die Open Educational Ressource Bewegung Offenheit für ALLE auf die Fahnen geschrieben haben. Spätestens hier werden die ersten BWL’er/innen aufschreien und sagen, dass das auf Dauer nicht möglich ist!

Verfolgen die bisherigen MOOC Anbieter, wie Cousera, EdX, Udacity und Co. wirklich keine wirtschaftlichen Interessen? Kaum vorstellbar, denn es handelt sich schließlich um Unternehmer/innen. Aber wie kann mit einem MOOC Geld verdient und trotzdem ein niedrigschwelliger Zugang gewahrt werden?

Bisher sind Teilnahmezertifikate bzw. Abschlusszertifikate kostenpflichtig, ca. $150 (Udacity). Einige Plattformen arbeiten mit dem Testingcenter Pearson zusammen. Teilnehmende haben dort weltweit die Möglichkeit, physische Prüfungen abzulegen. Die Vermittlung bleibt kostenlos und lediglich die Prüfung wird kostenpflichtig.

Denkbar wäre auch eine allgemeine Kursgebühr zu erheben, die sich jedoch deutlich von den Einschreibegebühren der Universität unterscheidet. Diese dürfte nur einen Bruchteil der normalen Studiengebühren ausmachen, um das niedrigschwellige Angebot aufrecht zu erhalten. Mit Hilfe eines MOOCs, können Universitäten viel mehr Teilnehmer/innen erreichen, als es Ihnen in der Präsenslehre gelingen würde. Dieses Beispiel trifft nach unserer Ansicht jedoch nur auf amerikanische Universitäten und Länder mit hohen Studiengebühren zu. Für Deutschland ist die Studiengebühren-Argumentation keine Alternative. Hier wird das Thema MOOC vielmehr auf den Weiterbildungsbereich hinauslaufen, nach dem Motto Fernstudium der Moderne.
Eine weitere und evtl. durchaus interessante Möglichkeit für deutsche Universitäten stellt die Lizensierung dar. Mit Hilfe der Lizensierung wird die Möglichkeit geschaffen, Lehrinhalte von anderen Universitäten einzukaufen und somit fehlende Fachgebiete bzw. Vertiefungen abzudecken. Das Studienangebot einer Hochschule könnte dadurch erweitert werden.

Die Möglichkeit ein gesamtes Hochschulstudium über MOOCs abzudecken und schlussendlich einen entsprechenden Abschluss zu erwerben, wird sicherlich in den nächsten Jahren möglich sein. Jedoch besteht hier noch viel Entwicklungsbedarf und ‚Missionarsarbeit’. Johannes Moskaliuk sagte in der dritten Woche im Hangout sinngemäß folgenden Satz: „Die (Studierende) fangen an zu heulen, wenn man ihnen Zettel und Stift wegnimmt und ihnen das Internet gibt.“
Sicherlich ist die Aussage sehr überspitzt, aber machen wir hin und wieder ähnliche Erfahrungen. Studierende sind bei weitem nicht so medienaffin, wie wir immer glauben. Zudem gibt es signifikante Unterschieden zwischen den Fachdisziplinen.

Es bleibt abzuwarten, wie schnell sich die MOOC-Geschäftsmodelle in Deutschland durchsetzen werden.

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